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Essen / Duesseldorf / Dublin |
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Eigentlich war ich immer ein Gegner potentieller Trips nach Irland, zumal ich nichts elendiger fand, als all jene "Selffinder", die von dort zurückkehrten und über Wochen nichts anderes vermochten, als mir sämtliche Poren mit den verzücktesten Schilderungen eines Landes vollzuseibern, in dem Ambrosia, die naturelle Perfektion und höchstwahrscheinlich auch der liebe Gott persönlich beheimatet seien. Worte wie "einzigartig", "herrlich", "kultig" und "soooo grün" ließen mich erschauern und führten dazu, daß ich Irland vorausschauend für immer von meiner Liste eventueller Urlaubsziele strich. Nico Schäfer, eben jenem Rot-Weißen Recken und nebenbei einem meiner treuesten und besten Freunde, habe ich es letztlich zu verdanken, daß Pierre, Simone und ich im vergangenen Jahr dort einfielen, zumal er dort seine liebe Freundin Anja Konrad kennengelernt hatte und in einer liebenswerten Zeremonie auch ehelichte, Pierre und ich für jene Feierlichkeiten sozusagen als Barden verpflichtet worden waren.
Meine Zessin Simone hatte die gesamte Feier vor Rührung durch einen Schleier von Tränen erlebt bis sie gegen Mitternacht mit zwei irischen Spätrentnern in einen hitzigen Flirt verfiel, während ich hinreichend damit beschäftigt war, den Kaloriengehalt all dieser furchtbaren Guinnes in meinem Magen zu berechnen. Wie das Schicksal es fügte, sollten wir uns auch in diesem Jahr in Irlands Westen mit Nico und Anja treffen und unsere Vorfreude war riesig, zumal wir in ihnen die besten Reiseführer hatten, die man sich vorstellen kann. Aufgrund wirklich grauenhafter Erfahrungen mit den Bedingungen und Schwankungen der notwendigen Fähren, hatten Simone und ich schon sehr früh beschlossen, dieses Mal den einfacheren Weg per Air Lingus vorzuziehen und landeten um ungefähr 14.00 Uhr Ortszeit auf dem Dublin Airport, einen sehr angenehmen Flug hinter und einen bereits gebuchten und somit wartenden Leihwagen vor uns. Es gibt auf dem Flughafen der irischen Hauptstadt wunderbare Empfangsschalter für leihwillige Autofahrer, bunt, attraktiv gestaltet, mit freundlich lächelnden Gesichtern versehen und ausgestattet mit allen Schikanen der Autoverleihbranche. Der Schalter für bereits vorgebuchte Automobile sieht da ein klein wenig anders aus. Dem in grelles, flackerndes Neonlicht gehüllten Holztisch und den grimmigen dahinter hockenden Gestalten hätte eigentlich nur noch der Schriftzug "Don Corleone Sicilian Killer Cars For Hire Pay Or Die!" gerecht werden können und nur um der Vendetta zu entgehen, werde ich auf detailierte Darstellungen der Vorgänge, nachdem wir unseren Gutschein abgegeben hatten, hier und heute verzichten. Auf jeden Fall bekamen wir schon nach circa 30 Minuten den nachdrücklichen Befehl einem gigantischen neongrünen Frauenkörper zu unserem Wagen zu folgen und dabei möglichst nicht abhanden zu kommen. Dieser Wagen entpuppte sich als recht neuer Vectra und hatte eigentlich nur den Fehler, das Steuer auf der falschen Seite zu haben. Doch bin ich ja Mann, clever, intelligent und jeder Situation gewachsen. Bereits zwölf Sekunden nachdem ich läßig dem Verkehrsfluß folgend gönnerhaft zu Simone herüberblickte und so etwas sagte wie "IsjagarkeinProblem!" tuschierte ich elegant den linken Bordstein und semmelte eine der enorm blitzeblanken Radkappen in den Autoersatzteilhimmel. Simone war derart mit ihrem Lachkrampf beschäftigt, daß ihr mein verstörtes weiteres Fahrverhalten nicht mehr auffiel und so konnte ich mich bis zu unserer Ankunft im Park Lodge Hotel (eigentlich ja bis zu unserer Abreise zehn Tage später) der irischen Bedeutung des Wortes Vollkaskoversicherung widmen. Das Park Lodge hatten wir im Vorjahr kennen und fürchten gelernt, doch hatte es in der unbekannten irischen Hauptstadtatmosphäre einen großen Vorteil: es verfügte über einen Hochsicherheitsparkplatz. Hinter vier Meter hohen Stahltoren, acht Schichten Stacheldraht und mit Sicherheit ein oder zwei Selbstschußanlagen befand sich ein circa achtzig Quadratmeter großer Innenhof, in den jede Nacht bis zu zehn Autos gepfercht werden konnten. Im Inneren konnte man es sich, hatte man erst diverse Sicherheitschecks und Personenkontrollen, Absperrungen und Stahltüren hinter sich gelassen, wirklich gemütlich machen und die Preise waren vergleichsweise erträglich.
Nur Sebastian schien leicht verwirrt, was an den Litern Novalgin gelegen haben könnte, die er bereits intus hatte. Die Fahrt mit dem Großraumtaxi, wie auch die ersten paar Hundert Meter durch das fabulöse Guinnes-Vegnügungsviertel hatte allerdings etwas Gespenstiges an sich. Niemand schien irgend jemanden wirklich zu mögen, die Suche nach geeigneten Nahrungsmitteln gestaltete sich ob der verschiedenen individuellen Präferenzen recht nervenaufreibend, Toilettengänge mutierten zu Kriegserklärungen - die Welt schien plötzlich so verdammt mißgünstig. Heute weiß ich, daß die Anstrengungen der Reise uns Allen noch in den Knochen steckten und ein solch komplett durcheinandergewürfelter Haufen, wie wir es waren, auch damit würde fertig werden. Der abendliche Rundgang durch Dublins geballtes Pubaufkommen blieb Simone und mir auf jeden Fall erspart, hatten wir doch zu ausgiebig das Fish and Chips Angebot genossen und waren verdammt froh schon bald ein Taxi ins grell bemalte Hotelzimmer zu erwischen. (C) Robert P. Dougoll 1999 |
1998 mußten Simone und ich geschockt feststellen, daß wir doch nicht die ersten Menschen waren, die die legendäre Windmill Lane besuchten.
Anja Konrad und Nico Schäfer, der Ehe verfallen in Fanore 1998
Unter dem starken Medikamenteneinfluß konnte Sebastian überhaupt nicht begreifen, wieso er fotographiert wird, wo er den Apperat doch noch umhängen hatte.
Sebastian schließ- und letztendlich im Delirium
Simone und ich in Erwartung der Truppe
Das tägliche Ritual des Ein-, Aus-, Ein- und wieder Auspackens |