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Galway

 

Ich lasse aus rein theatralischen Gründen die Ereignisse des Tages aus, allesamt machten wir uns irgendwann in den Vormittagsstunden auf in Richtung Galway, um uns dort im Verlauf des Nachmittages im "The Quays" einzufinden, einem Pub, den wir vom Hörensagen her als einen der genialsten und angesagtesten Pubs Irlands kannten. Der arme Nico kriegte, als er erfuhr, daß wir dort auftreten dürften, etwas, das sehr nach einem Herzklabaster aussah - hatte er aber auch verdient nach der Horrornummer vom Vorabend.

Ich erspare mir hier die üblichen Schilderungen des "wie kriegen wir gute Zimmer und woher" und ebenso erwähne ich nur am Rande die Freßorgie, die Simone und ich im örtlichen Mc Dreck zelebrierten - jedenfalls trotteten wir gegen 17.00 Uhr im Quays ein - na ja, eigentlich kamen wir gar nicht so weit, da uns schon an der Eingangstür ein zwar sehr beherrscht wirkender aber doch offensichtlich recht aufgebrachter Ron entgegenkam, um uns mit unheilschwangerem Bariton zu verkünden, daß im Quays

a. niemand jemals auch nur einmal den Namen Another Tale gehört habe,

b. an diesem Abend eine ganz andere Band mit dem Namen "Big Generator" zzgl. Vorband gebucht sei,

c. in diesem Moment Sebastian den Tränen nahe dabei wäre, dem Manager des Pubs klarzumachen, daß selbiges ja wohl nicht wahr sein könnte,

d. im gesamten Büro des Pubs niemand jemals einmal den Namen "Irish Agency" geschweige denn Dave "Call Me Tomorrow" Bell gehört habe,

e. der zuständige Booker eh im Urlaub sei,

und
f. die Räumlichkeiten aber mörderschweinegigaturbogeiligeil seien.

Desweiteren fügte er hinzu, er habe nicht übel Lust auf der Stelle nach Dublin zu fahren um Mr. Dave "Superarsch" Bell zu würgen oder auf sonstwelche Weise der Hölle zuzuführen.

Nun gehöre ich nicht zu den widerwärtigen Menschen, die nur zu gerne so Dinge verkünden wie "Siehste" oder "Habichsdochgleichgeahnt" und noch heute wundere ich mich darüber, wie ruhig ich doch eigentlich geblieben bin, doch bedurfte es einer genaueren Klärung. In diesem Moment stürmte ebenfalls Mr. Sebastian aus dem Pub und hatte sein "Sieh - mal - wie - sauer - ich - bin" Gesicht aufgesetzt, was noch Schlimmeres ahnen ließ, doch schilderte er uns nur mit drohendem Unterton daß im Quays ... siehe a. bis f. ... allerdings gab es Hoffnung.

Der Saal und insbesondere die dazugehörige Bühne waren mit Abstand das Genialste Kunstwerk der Livemusikgeschichte, welches unsere geschundenen Äuglein bis dato hatten ansehen dürfen.

quays17.jpg (20244 Byte) Eine monumentale, liebevoll verzierte Kirchenorgel krönte ein dreistöckiges Kanzeltriumvirat in würdevoller Höhe zur Tanzfläche und mit einer Aura, die uns alle irgendwie an die Eleganz der Titanik erinnerte, allerdings mit dem besonderen Vorteil, hier kaum einer nennenswerten Eisberggefahr zu begegnen.

Eine solche Bühne zu bespielen, muß der Traum eines jeden Irlandreisenden Musikers sein und so war klar, daß wir mit allen legalen Mitteln versuchen würden, an diesem Abend doch noch unsere Chance zu bekommen - selten waren wir so sehr zu Verhandlungen bereit. Es galt also, das Management des Ladens im Frontalangriff zu erobern.

Nach Sebastians Aussage handelte es sich bei dem Manager des Ladens um einen wirklich korrekten Kerl, der soeben dabei war, noch einmal in seinem Büro nachzusehen, ob der Fehler vielleicht bei ihm läge, und der uns eine wie auch immer geartete Lösung des Problems in Aussicht stellte. Was in deutschen Lokalitäten absolut total unmöglich wäre, geschah: Nach einigen weiteren Diskussionen mit dem Management, einigen Telefonaten und ein wenig Gedönse erging an uns folgender Vorschlag: "Würdet Ihr den Support übernehmen, eine Stunde spielen, ohne Streß über die Backline (Drums und Bassanlage) der Big Generators und dafür 125 Irische Pfund (ca. DM 300,-) einstecken?"

Och nööö, weißte, also ich meine ... KLAAAAAAAAR!!!!!!!!!!

Plötzlich hagelte es Positives. Die Big Generators waren eine, nach eigenen Angaben, ganz normale irische Cover Rock ´n Roll Band auf Tour, die sich jedoch in mehreren Punkten von den meisten uns aus Deutschland bekannten musikalischen Vereinigungen ganz deutlich unterschieden. Sie waren komplett und total unzickig, führten mit uns "Semi-Profis" stundenlange Gespräche über Gott und die Welt, freuten sich darauf, unsere Musik zu hören und waren ganz aus dem Häuschen, als sie unseren Soundcheck beobachteten. Offensichtlich hatte es in der langen Tradition des Quays noch nicht allzu viele Bands gegeben, die nicht vom Folk-Virus betroffen oder der Versuchung unterlegen waren, gnadenlos zu covern (watt von anderen nachzuplärren). Darüber hinaus waren sie von der Art unseres Auftretens wohl ganz angetan und selbst das herbeigerufene Management des Live-Quays betrachtete unsere Songs wohlwollend mitwippend und -nickend.

quays3.jpg (16576 Byte) Als es dann nach der Pflicht gegen 23.00 Uhr die Kür begann, war der Laden zwar nicht gerade das, was man gut gefüllt nennen könnte, doch die circa 50 bis 80 Besucher taten alles Irenmögliche, uns das Gefühl zu geben, wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Wir spielten eine gnadenlos fetzige Auswahl unserer besten Songs, spielten selbst "Ein Gott Zu Sein", was für Begeisterungswinde sorgte, obwohl keine Sau den Text verstand, doch strahlten wir wohl ein derartiges Glücksgefühl darüber aus, auf dieser einmaligen Bühne spielen zu dürfen, daß man uns schnell in Herz und Bauch schloß.

quays16.jpg (32524 Byte) Gegen Ende unserer Kurzshow hüpften langhaarige Menschen mit uns in Scharen zu den Rhythmen von "Hellfire Tourist" und "Great Song Of Indifference" und verschwitzt fielen wir uns in die Arme, um uns gegenseitig unsere Liebe zueinander und das Glück unserer jeweiligen Existenz zu preisen.

Selbst meine Wut auf Pierre, der es gewagt hatte, mit Abstand den besten Parkplatz in den engen Straßen von Galway gefunden zu haben, war komplett verraucht und bald darauf machten Simone und ich uns auf den Weg nach Clairville, um dort blöd grinsend im Bett dahinzuschlummern.

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Nachtnachtrag:

Nachdem Sebastian - wir anderen lagen schon seit Stunden glücklich in den Federn - auf dem Weg ins auserkorene Jugendherbergsbett die Kippen ausgegangen waren, überhaupt passiert ihm dieses recht häufig, versuchte er sich wie üblich, eine solche zu schnorren. Mit aufgebrachtester "Sieh - einmal -wie empört - ich - bin" - Mimik verdammte er am nächsten Tag die Ungehobeltheit der Bewohner Galways, die es gar gewagt hätten, rauchend an ihm vorbeizuziehen und ihm dabei abwehrend mitzuteilen, sie hätten sich die Qualmerei schon vor Jahren abgewöhnt. Überhaupt schienen ihm in dieser Nacht noch so einige Merkwürdigkeiten passiert zu sein.

Er traf auf männliche Wesen, die verzweifelt auf der Suche nach Betten waren und derartiges halt. Ron´s schnell gefundene Erklärung, vielleicht habe unser begabter Schlagzeuger ja eine Art von homoerotischer Ausstrahlung, führte wieder zu dem alten Lied ....

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(C) Robert P. Dougoll 1999


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Etwas außerhalb von Galway aber doch phänomenale Zimmer: "Clairevill", Clainbridge, County Galway

 

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Angeblich einer der fünf angesehensten Live-Pubs in ganz Irland: The Quays, Galway

 

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Die wahrscheinlich geilste Bühne der Welt

 

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Monumental die Bühne, titanisch die Posen, ein Sänger im Nirvana, ein Bassist in ergebner Andacht.

 

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"Well, You did´nt understand a single fucking word of that song!"

 

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Pierre und Stefan - dem übrigens bei diesem Gig die schlimmsten Patzer seiner Tale´schen Karriere unterliefen - unter dem Joch des Guinnes Fasses.

 

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The Another Tale Guitarheroes

 

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Immer wieder mußte sich Ron davon überzeugen, daß er wirklich auf dieser Bühne steht und daß die Pfeiffen hinter ihm wirklich echt sind.

 

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Man liebt ihn allein schon für die einmaligen Fratzen, die Besitz von ihm nehmen, wenn er sich beim Draufkloppen so richtig wohl fühlt: unser liebes Bandküken Sebastian