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Galway /Fanore / Cliffs Of Moher |
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Alles sprach für einen durch und durch angenehmen Tag. Das Wetter schien uns hold, wir konnten das wimmelige Galway hinter uns lassen und zurückkehren an einen wunderbaren Ort, den Pierre, Simone und ich nur zu gut in Erinnerung hatten, schließlich hatten wir dort 1998 den größten Teil unserer Zeit verbracht. Fanore, ein kleiner Ort an der Küstenstraße im County Clare war ein malerisches Beispiel dafür, wie angenehm erholsam ein Trip auf die grüne Insel sein konnte und dort hatten wir so Einiges er- und überlebt.
Wir kannten die "Crumlin Lodge" Bed & Breakfast seit unserem Irland Besuch im letzten Jahr und werden die aufopferungsvollen ja beinahe fanatischen Organisationsbemühungen seitens der liebenswürdigen Besitzerin Anna Towler hinsichtlich der Nico/Anja-Hochzeit wohl kaum vergessen. Immerhin hatte ich Todesangst vor ihr, als mir am Morgen des feierlichen Tages auffiel, daß ich keinen Rasierer dabei hatte. Nun gut dies Alles war vergessen und einer beinahe melancholischen Nostalgie gewichen, nicht zuletzt das legendäre Wohnzimmerkonzert in ihrem Haus, bei dem zwei Amerikaner spontan begannen, erst in Tränen und dann in Dankesgebete auszubrechen, Nico einschlief und Anna einen Wein nach dem anderen kippte - verdammt schöne Zeit! Wieder einmal wurde sich verabredet und zwar am sowohl einzigen als auch knallblauen Pub im Ort, doch gibt es an Irlands Westküste mangels Menschen- und Automassen eigentlich kaum die Möglichkeit, sich aus dem Wege zu gehen, und so begab es sich, daß wir uns Fanore in ständigem Blickkontakt näherten. Am Pub angekommen schilderte uns Sebastian ganz aufgebracht seine nächtlichen Erlebnisse, wir verdrückten tonnenweise Sandwiches und die in Irland immer und überall zu empfehlenden Soups of the day. Bei Anna eingetrudelt hätten wir nach einer stürmischen Begrüßung und einigen kurzen "Wer - nimmt - welches - Zimmer" Scharmützeln beinahe die Ruhe genossen, doch Sebastian wies stetig auf die wechselnde Wetterlage hin und drängte nachhaltig, ja beinahe penetrant auf einen Besuch der nahegelegenen Cliffs Of Moher. Der Nachmittag verlief dementsprechend ruhig, doch der Abend hatte noch so Einiges mit uns vor. Fraktion 3 (Bugalls & Hermsens) beschloß, ihrem menschlichen Hungergefühl nachzugeben und machte sich auf die von Sturm und Regenschauern geprägte Tour nach Lisdoonvarna, einem etwas größeren kleinen Örtchen in der näheren Umgebung mit einigen guten Ernährungsmöglichkeiten, die wir in vollen Zügen genossen, um dann im pläddernden Regen auf die Suche nach mitnehmbaren Getränken zu gehen. Für nur knappe achthunderttausend Mark hatten Stefan und Simone dann den kompletten Guinnesdosenvorrat des einzigen dort vorhandenen Aunt-Emma-Shops aufgekauft und wir machten uns auf den Weg zurück zur Crumlin Lodge, um dort festzustellen, daß Einheit 2 (Vornhecke & Engel) wieder einmal nicht mehr miteinander sprachen, vorher aber auf die gleiche Idee gekommen war und sämtliche anderen Biersorten aus demselben Laden besorgt hatte, für nicht weniger als einen halben Bundesverteidigungsetat. Einheit 1 (Buttini & Perpeet) zeigte sich über die verfügbaren Realitätsfluchtmöglichkeiten aus britischem & irischem Starkbier sehr erfreut und schilderten uns entzückt ihren Moherbesuch, wo sie auch Einheit 2 getroffen hatten, die ihre ursprünglichen Pläne offensichtlich recht spontan geändert hatten. Trotzdem war mit vereinten Kräften ein Gig für den nächsten Abend in Doolin, der Traditional Music Hochburg Irlands, gebucht worden - eine echte Herausforderung also. Irgendwann nahmen mich Pierre und Sebastian zur Seite und Pierre verkündete mir strahlend aus der Duftwolke seines Primärbieres, man habe an den Cliffs eine Sängerin kennengelernt, die eine fantastische, einzigartige, tolle, gigaschweinemördergute Stimme und darüber hinaus den erklärten Willen besäße, an der für diesen Abend geplanten Kurzsession im Wohnzimmer teilzunehmen. "Du áscht ja sowieso nisch so gute Schtimme wegen Gestern" und "Isch dachte, dasch is ein großer Traum von Disch!" - WATT??? Doch es kam noch schlimmer: Sebastian hatte sein "Sieh - einmal - wie - ergriffen - ich - bin" Gesicht aufgesetzt und hauchte mit beschwörender Stimme "Das ist eine der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten, die ich je kennengelernt habe" und beschloß seine Aussage feierlich nickend und auf meine Reaktion wartend. Die war nicht unbedingt positiv. Ich hatte keine Lust auf großes Gewese, dachte, man würde sich nett unterhalten, vielleicht aus Rücksicht auf meine wirklich schwer angeschlagenen Stimmbänder das musikalische Programm auf zwei drei Kostproben beschränken und dann den Abend in Ruhe und Gelassenheit ausklingen lassen. Pierre schien das auch relativ schnell nachvollziehen zu können und verstand, daß ich, weiß Gott, nicht in der Stimmung für einen wie auch immer gearteten Gesangeswettbewerb war. Sebastian allerdings setzte sein "Sieh - einmal - wie - enttäuscht - und - haßerfüllt - ich - bin" Gesicht auf und verkündete mit angepisstester Stimme, er würde dann eben jetzt Kimberley (The VOX) anrufen, denn er - im Gegensatz zu Pierre ? - lasse Niemanden hängen. Aus diesem kurzen Telefonat wurde ein einstündiges Hin und Her das mit der Erklärung beendet wurde, er würde im Anschluß an den gemeinsam verbrachten Abend mit Ron´s Wagen zu der holden Stimme nach Doolin düsen. Irgendwie war der Abend nun etwas seltsam. Niemand konnte verstehen, wie man freiwillig noch einmal den Weg durch den mörderischen Sturm auf sich nehmen konnte, doch wir kannten Sebastian und wußten, daß er aufrichtig und ohne Hintergedanken den Kontakt zu Menschen einfach liebte und so versuchten wir trotzdem eine unterhaltsame Zeit miteinander zu verbringen.
Gegen Mitternacht waren mindestens 50 Prozent der Biergallonen Baccus geopfert, die Augenlieder auf ein bedrohliches Absinkstadium gefallen und auch der letzte kopfschüttelnde Lacher über Sebastian´s Nitghtride verklungen und so versackten unsere müden Glieder in unseren jeweiligen Betten mit Ausnahme eines einzelnen, wirklich liebenswert überzeugten Mr. Vornhecke, der in der Nacht verschwand auf dem Wege nach Doolin und der dort harrenden Kimberley.
Nachtnachtrag: Fünf Stunden verbrachten Sebastian und Kimberley im Auto in angeregter Unterhaltung umrahmt vom nächtlichen Regensturm. Eine weitere Stunde brauchte er, um den Wagen mangels Batteriekapazität wieder ans Laufen zu bringen.
(C) Robert P. Dougoll 1999 |
![]() The Home of Anna Towler
Einer der Momente, die mir noch heute ein wenig leid tun: Unsere Reaktion auf Sebastians Schilderung seiner nächtlichen Erlebnisse.
John Lennon mit hellblonden Haaren
Die Rache der Natur für das Ozonloch: Die Höhenfolter der Cliffs Of Moher
Sebastian in freudiger Erwartung einer nächtlichen Unterhaltung. Eigentlich wird dieser arme Kerl viel zu oft mißverstanden, insbesondere von mir.
Ron und Stefan im Starkbierrausch
Nächtliches ChillOut |